Trainingstipps -4-

Einen Hund anzuschaffen, ist leicht. Ihn zu behalten, zu halten und mit ihm täglich zu leben, ist viel schwieriger. Ihr Hund wird nämlich nicht von alleine zu dem Hund, den Sie sich gewünscht haben. (aus: Braver Hund! von Katharina v.d. Leyen)


Affentänze beim Heimkommen des Menschen, zu Fütterungszeiten, Fertigmachen zum Spazierengehen und ähnliche Situationen, die einen Hund im Bruchteil einer Sekunde hochfahren lassen, kriegt man am Besten eingedämmt, wenn man den Hund einfach „spinnen“ lässt, während man ihn gänzlich ignoriert.

Am besten funktioniert meiner Erfahrung nach folgendes: ohne jeden Kommentar, nicht auf das Verhalten eingehend, mimisch gelangweilt dabei stehenbleiben, bis sich die kleinen Rädchen im Kanidenkopf neu justieren und der Hund von selbst merkt, dass er mit seinem – meist doch made-by-mensch verursachten – Verhalten nicht weiter kommt.

Strenge Blicke (Augenbrauen hochziehen!) und ggf. ein „verächtliches“ Schnauben, mit zeitgleichem Abwenden des Blickes (den Hund „links liegen lassen“), sind in solchen Situationen äußerst hilfreiche und vor allem artgerecht kopierte Verhaltensweisen, um das schnöselige Getue in kürzester Zeit in die gewünschte Bahnen zu lenken.

Hat sich der Hund beruhigt, kommt man sofort (innerhalb der ersten 5 Sekunden) von sich aus auf ihn zur Begrüßung zu, stellt ihm den Napf zum Fressen hin oder macht sich gemeinsam (weiter) für das Gassi fertig.

Hinweis: Gerade bei der Lektion bzgl. Fertigmachen für’s Gassi sollte Mensch darauf achten, sich nicht in allzu unbequemen Stellungen zu befinden (Jacke anziehen, Schuhe binden, den Hund anleinen wollen etc), da man unter Umständen minutenlang darin ausharren muss, bis der Hund runter gefahren ist.

Wichtig: Den Zeitrahmen für diese Übung nicht so knapp kalkulieren, wenn der Hund wirklich raus muss!

Wer seinen Hund möglichst tiergerecht halten möchte, sollte seine Urinstinke nicht verkümmern lassen bzw. wieder wecken: Suche nach seinem üblichen (Trocken)Futter in „freier Wildbahn“ ist hierbei eine weitere, sehr gute gemeinsame Aktion. Zusammen auf „Jagd“, der Mensch ist souverän, indem er weiß, wo die „Beute“ zu finden ist. Fazit: auf den kann man sich verlassen, der weiß, was Sache ist, da ist Hund gerne aufmerksam und folgsam.

Tipp: Um dem Hund zu signalisieren: Jetzt geht’s raus, aber nur, wenn du keinen Terz veranstaltest! empfiehlt es sich, ihn zuhause „nackt“ (sprich: ohne Halsband oder Geschirr) zu lassen. Mit der Zeit wird er lernen, dass wenn Halsband bzw. Geschirr ins Spiel gebracht wird und er sich kooperativ verhält, es umso schneller „gemeinsam ins Abenteuer“ geht.

Ständiges Hintergetippel in der Wohnung und daraus meist resultierendes im Weg stehen, ist über kurz oder lang nicht nur nervig, sondern kann auch eine gewisse Verletzungsgefahr für Mensch (heftiges Stolpern / Stürzen) und Tier (auf die Pfoten treten, schwerer Tritt gegen den Brustkorb etc.) darstellen.

Deshalb drehen wir Zweibeiner den Spieß einfach um, indem wir immer wieder mal über den Tag (ggf. auch die Nacht) verteilt und ohne jede „Vorwarnung“ anfangen, einige Minuten wie blöd geworden die Zimmer zu wechseln – hier was suchen, dort was machen, da was schauen… Anfangs wird der Hund versuchen, „am Ball zu bleiben“ um ja Nichts zu verpassen.

Irgendwann – unter Umständen sieht man es ihm auch deutlich an, wie genervt er von der Aktion wird – fängt es an, ihm zu blöd zu werden und er bleibt immer öfters stehen. Vermutlich, um abzuchecken, ob es sich überhaupt lohnt, dem Menschen nachzulaufen oder ob er (der Mensch) schon wieder was für ihn (den Hund) total unlogisches und vor allem unrentables macht.

Richtig aufdringlichen Vierbeinern (die, denen so schnell gar nichts „zu blöd“ wird) kann man zusätzlich mit sog. Body-Blocks ihren Bewegungsfreiraum eingrenzen, indem man ihnen als Mensch „rotzfrech“ über den Weg kommt, sie durch leichte (!!) Schubser kommentarlos (!!) zur Seite schiebt und weiter sein Ding durchzieht.

Sobald sich der Hund von selbst in seinen Korb, aufs Sofa oder sonst wo hin verzieht, wo er sein soll bzw. darf, wird der Wahnsinn sofort gestoppt, zum Hund gegangen und gelobt.

Tipp: Sorgt für eine gerade, möglichst logische Linie im gemeinsamen Leben und macht Euch interessant sowie spannend, wenn’s sein muss auch mal zum Affen für Euren Caniden. Verkörpert, dass Ihr sehr wohl Herr der Lage seid. Grenzen setzen (können) schadet Hunden nicht, im Gegenteil!

Selbstverständlich unter Miteinbeziehen der hundischen Bedürfnisse und wie lange er geduldig auf Euch warten musste, bestimmt Ihr die Zeit, Art und Dauer des Spiels, die Zeit der Fütterung, die Zeit, den Ort, die Richtung sowie Dauer des jeweiligen Spazierengehens, die Zeit des gemeinsamen Rumalberns, die Zeit des gemeinsamen Ruhens etc. – Eine der wenigen Gegebenheiten, bei denen auch der Hund ein Mitbestimmungsrecht von sich aus eingeräumt bekommen sollte: das Kontaktliegen.

Habt Ihr ohnehin gerade nichts Besseres zu tun, als auf dem Sofa oder im Bett zu liegen und „vergessen“, den Hund dazu einzuladen: gesteht ihm die freie Entscheidung zu, wenn er zu verstehen gibt, sich zu Euch gesellen zu wollen.

In vielerlei Situationen über den Hund (gekonnt) Impulskontrolle zu haben, ist absolut nichts Schlimmes – es kann unter Umständen sogar Leben retten!

Um sich keinen kleinen Tyrann und Bestimmer zu erziehen, empfehle ich Fütterungs- sowie Gassizeiten nicht punktgenau auf bestimmte Uhrzeiten zu legen, sondern auf ein Zeitfenster von +/- 1 Stunde hinzuarbeiten.

Beides hat den Vorteil, dass wenn bspw. der Mensch aufgrund irgendeines Vorkommnisses „zu spät“ kommt, der Hund noch nicht in die Wohnung gemacht bzw. versucht hat, sich sein Futter selbst „zu besorgen“ und dabei die Bude verwüstet – der Mensch war ja nicht da und es war schließlich seine Zeit!

Auch sollte es ein oder zwei andere Menschen im Leben des Hundes geben, von denen er sich vertrauensvoll ausführen und füttern lässt.

Denn: was macht Ihr, wenn Ihr bspw. einen Unfall hattet und direkt im Krankenhaus landen? Oder beruflich bzw. straßenverkehrsbedingt eine ungeplante Verlängerung der Abwesenheit eintritt? Kein Hund (und auch kein anderes Tier!) kann von Jetzt auf Gleich zum „Selbstversorger“ werden, weil sein Mensch ausfällt bzw. „auf sich warten lässt“.